[FFF 2010] The last exorcism

Der weit gereiste Prediger Cotton Marcus wird von Schuldgefühlen geplagt. Seine Teufelsaustreibungen sind reine Illusion, doch seine bibeltreuen Anhänger glauben an ihn und zahlen gut für seine Arbeit. Bei einem letzten Exorzismus will er den Schwindel durch ein Fernsehteam aufdecken lassen. Die Mission führt sie in den Süden der USA, wo die Farmerstochter Nell vom Teufel besessen zu sein scheint. Die Show beginnt, doch nicht wie Marcus geplant hatte. Eine dunkle Macht offenbart sich Marcus und ihm muss schnell etwas einfallen, um Nell, sein Team und sich selbst vor diesem Dämon zu retten.

Wer Aufgrund des Trailers einen weiteren Film im Stile des Exorzisten erwartet sei gleich gewarnt. Dieser ist nämlich in dieser Hinsicht irreführend. Mit tatsächlichen Dämonen hat der Film sehr wenig zu tun. Viel mehr sei aber nicht verraten um die Spannung nicht zu nehmen. “The last exorcism” ist mehr oder weniger originell im Stil einer Dokumentation gedreht und so folgt man dem Reverend aus der Sicht des Kameramanns durch den Film. Entgegen erster Befürchtungen fand den Film auch über die ganzen knapp 90 Minuten sehr unterhaltsam. Hierzu trägt auch Patrick Fabian als Pastor einen guten Teil bei, der dem Prediger eine sympathisch lockere Art gibt, der einem mit seiner Art aber auch alles verkaufen könnte. Gerade zum Ende hin wird der Film aber auch packend da nie wirklich klar wird, ob die gute Nell nun tatsächlich besessen ist oder doch einfach “nur” krank.

Als einzigen Kritikpunkt kann man aber sicher das (tatsächliche) Ende nennen das nicht mehr so richtig zum Rest des Filmes passte. Hier hätte man gut daran getan, nach dem ersten Abblenden schon Schluss zu machen und nicht sosehr in typische Klischees des Genres verfallen sollen.

Fazit: Unterhaltsamer, launiger aber auch packender Horror-Thriller, der meiner Meinung nach zu Unrecht von vielen kritisiert wird, wobei der Trailer sicherlich einiges dazu beiträgt.

Wertung: 8/10

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[FFF 2010] The Chameleon

Vier Jahren nach seinem verschwinden taucht der nun 16jährige Nicky bei seiner Familie plötzlich wieder auf und behauptet, missbraucht und gekidnapped worden zu sein. Seine Schwester Kathy empfängt ihn mit offenen Armen, doch Mutter Kimberly hat Probleme, sich an die neue Situation zu gewöhnen und baut zwischen sich und ihrem Sohn eine Mauer auf. Seinem Halbbruder Brendan wird gar verboten, Nicky zu sehen. Zwischenzeitlich wird die FBI-Agentin Jennifer Johnson auf den Fall aufmerksam und beginnt zu ermitteln. Sie ist davon überzeug, dass “Nicky” ein Schwindler ist. Allerdings weigert sich die Familie zu kooperieren…

Wenn ich auf diesem Filmfest eines gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis das ein Film noch lange nicht gut sein muss, nur weil dort mir sympathische Schauspieler mitwirken. Hierzu gehört auch “The Chameleon”. Der auf einer wahren Geschichte beruhende Film schafft es zu keiner Zeit wirklich Spannung, Atmosphäre oder auch Mitgefühl für die betroffene Familie aufzubauen. Als Zuschauer ist einem schon relativ schnell zu Anfang klar, dass der Junge auf keinen Fall Nicky sein kann sondern in Wahrheit ein französischer Junge mit Namen Frederic Bourdin. So beobachtet man lange Zeit eine FBI-Agentin die versucht Beweise für die Wahrheit zu finden und einer Familie, die (teilweise) versucht den Jungen wieder zu integrieren.

Einzig und alleine Ellen Barkin weiß in diesen Momenten zu begeistern, schafft sie es doch die drogensüchtige Mutter in ihrer Zerrissenheit sehr bewegend darzustellen. Trotz besserem Wissens versucht diese zum späteren Zeitpunkt doch mit Nicky/Frederic etwas aufzubauen. Gerade dieses letzte drittel des Films macht dann doch einiges wieder gut. Hier geht es dann weniger darum, die Wahrheit aufzudecken sondern mehr um das einsame miserable Leben von Mutter und Frederic und, besonders in Hinblick auf die Mutter, deren verzweifelter Versuch der Einsamkeit zu entkommen. Emilie de Ravin kann in diesem Rahmen auch positiv hervorgehoben werden. Famke Janssen und noch viel mehr ihr Charakter als Jennifer Johnson kann allerdings nicht überzeugen, bleibt ihre Figur den ganzen Film über sehr blass und mit wenig Kontur.

Fazit: Eher schwacher Film mit einem interessanten Thema, der leider erst viel zu spät an Spannung gewinnt

Wertung: 5/10

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[FFF 2010] Four Lions

Omar, Waj, Barry und Faisal – vier britische Muslime – wollen zu Märtyrern werden und planen in London ein Selbstmordattentat. Hierfür wollen sich Omar und Waj zunächst in einem Camp Pakistan zu Terroristen ausbilden lassen. Nach einem dummen Fehler, müssen sie jedoch schnell das Land verlassen und eben ohne Training weitermachen. Doch bei den vier leicht vertrottelten Möchtegern-Terroristen geht gerne mal was schief…

Four Lions ist ein Film, der die Bezeichnung “politsch unkorrekt” nur so aus der Inhaltsbeschreibung herausschreit und der im Ursprungsland England schon für einige Kontroversen sorgte und zwischenzeitlich verboten wurde. Darf man sich über dieses Thema lustig machen? Ja man darf! Das Thema Terrorismus sollte in dieser Form verarbeitet werden dürfen und Christopher Morris hat dies meisterlich geschafft. Four Lions persifliert sehr stark, artet aber nicht in Klamauk aus und hat trotz allem immer noch ernste Teile bei denen einem, gerade zum Ende hin, doch gerne mal das Lachen im Hals stecken bleibt wenn man etwas mehr über das Gesehene nachdenkt.

Four Lions konterkariert auch gekonnt einige Klischees. Seine Charakteren sind nicht nur einfach zweidimensional. Alle haben ihre verschiedenen (teilweise schrägen) Gründe und auch Zweifel und keinesfalls, was man sich so unter dem typischen Terroristen vorstellt.

Fazit: Eine bitterböse schwarzhumorige Komödie, bei der man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

Wertung: 10/10

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[FFF 2010] Harry Brown

Wer nichts mehr zu verlieren hat und dazu eine Riesenwut im Bauch, kann sehr, sehr gefährlich werden. Harry Brown ist Witwer und sein einziger Freund wird von einer Gang brutal erschlagen. Ihm ist nichts geblieben. Und deshalb räumt er jetzt auf. Statt resigniert sein stilles Rentnerdasein weiter zu führen, packt der ehemalige Royal Marine noch einmal die Knarre aus und lehrt den gewalttätigen Abschaum in seinem Viertel gründlich das Fürchten. Den harten Jungs bleibt das überhebliche Gelächter schnell im Hals stecken, denn Harry weiß noch genau, wie’s geht. Ein Mann sieht rot – blutrot!

Drogendealende gewalttätige Jugendliche. Beim ersten Blick könnte “Harry Brown” nur ein weiter Film um Jugendgewalt sein. Es ist ein düsterer Film und das Thema trägt sehr viel dazu bei, denn letztendlich ist das gezeigte ein reales Problem. Regisseur Daniel Barber behandelt das ganze aber ohne das Problem zu bewerten auch wenn trotzdem eine Position erkennbar ist. Das unterscheidet ihn auch von den anderem Filmen zum Thema und auch Michael Caine tut einiges dafür, dass dem so ist.

Er bietet eine perfekte Darbietung des vereinsamenden Renters, dessen Frau Todkrank im Krankenhaus liegt, der nur noch seinen Freund Leonard zum nachmittäglichen Schachspielen hat und genauso wie sein Freund Angst vor den Jugendlichen hat. Er überspielt sein Alter nicht, er stellt es einfach dar. Nur durch einen Zufall wird einer der Jugendlichen sein Opfer und man spürt die Verzweiflung und die Wut welche sich in Harry Brown anstaut. Man kann von seiner Selbstjustiz halten was man möchte, Caine schafft es aber, trotz aller dargestellten Härte, für ein gewisses Verständnis zu schaffen. Mord bleibt Mord, ich kann aber verstehen dass es für Harry Brown nur noch diesen Weg gab.

Fazit: Extrem gelungener und düsterer Thriller um ein all zu reales Thema. Dank eines hervorragenden Michael Caine ist es aber nicht einfach nur ein weiter Film zum Thema Jugendgewalt

Wertung: 9/10

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[FFF 2010] The killer inside me

Ein korrupter Sheriff steht im Mittelpunkt dieser Geschichte: Lou Ford, ein scheinbar menschenfreundlicher Deputy, dem die Sympathien so ziemlich all seiner Mitbürger gehören. Sogar mit den Ganoven in seiner Kleinstadt kommt er ganz gut klar – sie nehmen ihn einfach nicht ganz für voll. Doch hinter der Fassade des gutmütigen Biedermanns verbirgt sich ein unberechenbarer Beamter. Denn Lou hat einen Haufen Probleme. Probleme mit Frauen und Probleme mit der Strafverfolgung, seitdem die Zahl der Mordopfer in seinem kleinen Distrikt eine beunruhigende Größenordnung annimmt. Irgendwann bleibt es nicht aus, dass ein schlimmer Verdacht sich gegen Lou selbst richtet. Und dass herauskommt, wer der Mann in Wahrheit ist. Ein Sadist. Ein Psychopath. Ein eiskalter Mörder.

Zu allererst sind die bildliche Inszenierung eine Erwähnung wert, ist doch das Texas der 50er mit schönen und authentischen Bildern dargestellt. Die Stimmung der Bilder schlägt so auch auf die Grundstimmung des Films über. So ruhig und einsam wie in den weiten Texas, so ist auch der Ton des Films. Die Erzählweise ist definitiv einer der langsameren Art. Dies beschert dem Film eine gewisse Grundspannung und Unbehaglichkeit. Etwas mehr Tempo und dementsprechend einige Filmminuten weniger hätten dem Film aber auch gut getan, wirkt er doch in Teilen etwas langatmig.

Die Ruhe des Films machen die Momente der Morde aber um so intensiver. Dies vor allem in der Kombination der Kaltblütig- und Emotionslosigkeit mit der sie vollbracht werden zusammen mit den aufdringlichen Bildern in den Szenen. Mit kalter und mechanischer Härte prügelt Lou auf seine Opfer ein. Der Zuschauer ist zu jeder Zeit mit der Kamera dabei, was das ganze nicht immer sehr leicht zu ertragen macht. Die Soundeffekte tun ihr übriges dazu bei.

Wo wir bei Lou sind, haben wir auch das weitere Highlight des Films – Casey Affleck. Seine Darstellung des überheblichen und psychopatischen Killers, der seine Opfer mit einer atemberaubenden Emotionslosigkeit tötet, ist hervorragend.

Fazit: ‘The Killer inside me’ ist ein streitbarer und ungewöhnlicher Film, gleichzeitig aber auch ein ist ein interessantes und intensives Kinoerlebnis, das viel von der Ruhe und Atmospäre sowie einem begeisterndem Casey Affleck lebt. Ein paar Minuten weniger hätten dem Film sicher auch nicht geschadet.

Wertung: 7/10

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